Krankenkasse: Sparen bei der Krankenversicherung als Student

Zum Studium an einer staatlichen Fach- oder Hochschule wird nur zugelassen, wer krankenversichert ist und dafür einen Nachweis erbringt. In den meisten Fällen wird das eine Bestätigung der Krankenkasse sein, bei der die Eltern pflichtversichert sind und man selber das 25. Lebensjahr noch nicht überschritten hat. Sind die Eltern allerdings von der Versicherungspflicht befreit und leisten Beiträge zu einer Privaten Krankenversicherung (PKV), dann muss man sich entscheiden: selber privat weiter versichern oder der gesetzlichen Krankenversicherung der Studenten (KvdS) beitreten.

Private Krankenversicherer meist teurer

Eines vorab: kein Unternehmen der PKV bietet bei identischen Leistungen einen niedrigeren Beitragssatz an als die gesetzliche studentische Krankenversicherung. Ab Juli 2009 liegt dieser inklusive dem Anteil für die Pflegeversicherung bei 64,66 € im Monat, wobei die Zahlung immer für ein Semester im Voraus gefordert wird. Einige Krankenkassen verzichten auf diese Vorausleistung, wenn ihnen eine Abbuchungsermächtigung für den monatlichen Beitrag erteilt wird. Wer über das BAföG auftankt, erhält eine Aufstockung des Bedarfs um bis zu 54 € im Monat. Ein relativ günstiger Anbieter einer privaten Krankenversicherung, die Raiffeisen + Volksbanken Krankenversicherung, erwartet im Tarif Tarif AGIL classic / EP0-S eine monatliche Beitragsleistung in Höhe von 94,94 €, bezahlt aber für Medikamente und Hilfsmittel für die ersten 3 000 € pro Kalenderjahr nur 60 %. Das Angebot gilt für einen männlichen Studienanfänger im Alter von 22 Jahren (Nach Angaben des Statistisches Bundesamts lag das Durchschnittsalter der Erstsemester an deutschen Hochschulen 2007 bei 21,9 Jahren).
Aber dennoch besteht eine Möglichkeit, den Beitragssatz nach unten zu verändern: die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung an den möglichen Kosten einer medizinischen Behandlung. So würde unser oben genannter 22jähriger im Tarif AGIL classic / EP960-S desselben Anbieters nur mit monatlich 49,71 € zur Kasse gebeten, wenn er sich an den Kosten für Heilbehandlungen mit bis zu 960 € pro Kalenderjahr beteiligt. Würde dieser Fall eintreten, er also bis zu dieser Höhe zuzahlen müssen, dann läge der monatliche Beitragssatz aber bei effektiv 129,71 € !
Die Angebote anderer privater Krankenversicherer mit vergleichbarem Leistungsangebot unterscheiden sich nur unwesentlich von dem des obigen Unternehmens. Erwähnenswert ist vielleicht der Tarif UNI der Deutschen Krankenversicherung (DKV). Demnach liegt der monatliche Beitragssatz zwar bei 102,31 €, man wird aber bei einer ambulanten oder stationären Heilbehandlung bereits als Privatpatient behandelt mit freier Arztwahl und Unterbringung im Zweibettzimmer, in dem der Chefarzt die Behandlung übernimmt.

Gesetzlich und Privat im Doppel

Wer auf diese Annehmlichkeiten nicht verzichten, aber dennoch die niedrigen Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung der Studenten in Anspruch nehmen will, für den gibt es eine Zwischenlösung: eine private Zusatzversicherung, die auf unterschiedliche Leistungsstufen abgestimmte Beitragshöhen bietet. So verlangt die DKV bei stationärer Heilbehandlung für Unterbringung im Zweibettzimmer und Übernahme von 100% der Kosten privatärztlicher Behandlung (bis zu den Höchstsätzen der Gebührenordnung für Ärzte) für unseren 22jährigen Kommilitonen einen Monatsbeitrag von 4,09 €. Der Beitrag steigt auf 20,98 € falls der Chefarzt behandeln soll, oder gar auf 28,04 €, wenn man ihn im Einbettzimmer empfangen will. Auch ambulante Behandlungen kann man aufwerten, die Beiträge dafür beginnen bei 3,98 € und steigen bis auf 70,29 € für einen kompletten Upgrade zum Privatpatienten. Die Angebote sowie die ihnen zugrunde liegenden Bedingungen gleichen einem Urwald, auf eine individuelle Beratung wird man also kaum verzichten können.

Abschließend kann also festgestellt werden, dass in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle keine finanziellen, sondern andere Anreize jemand bewegen, sich nicht zu der gesetzlichen Krankenversicherung der Studenten (KvdS) anzumelden – es war schon immer teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Wer also für etwas mehr Leistung sehr viel mehr Geld ausgeben will, der kann sich von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen und muss bei der Immatrikulation eine Bescheinigung über den Bestand einer Krankenversicherung bei einer PKV vorlegen. Aber Vorsicht: einmal befreit, immer befreit, eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist dann nicht mehr möglich.

Alle oben zitierten Angebote entsprechen dem Stand vom Mai 2010.